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27.09.2017
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Big Data 2017 - Die Blockchain auf dem Sprung zur neuen Basistechnologie?

Wien, am 22. September 2017 – Von Spekulanten und Hochrisiko-Anlegern gehypt, stehen Kryptowährungen hoch im Kurs. Zuletzt bezeichnete JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Bitcoin sogar als Betrug und schickte die digitale Währung auf Talfahrt. Die dahinter liegende Basistechnik Blockchain geht aber viel weiter. Sie hat das Potenzial, die (digitale) Welt zu verändern. Diesem Thema widmete sich auch die Arbeitsgemeinschaft Datenverarbeitung (ADV) im Rahmen der diesjährigen Big Data Tagung am 21.09.2017.


Ist die Blockchain eine universell einsetzbare Technologie, die sowohl etablierten Unternehmen als auch Start-ups als mögliche Grundlage für revolutionäre digitale Geschäftsmodelle dienen kann? Gerade im Umgang mit großen Datenmengen sorgt die Blockchain dafür, dass aus Big Data „relevant Data“ wird, da nur noch relevante Transaktionen automatisch abgespeichert werden. Dafür gilt es, die möglichen Vorteile den etwaigen Nachteilen gegenüberzustellen und ein alternatives Modell zu beleuchten, das verteilte und dezentrale Computer-Netzwerke nutzt und geringere Kosten als herkömmliche Methoden verursacht.

„Kultureller Paradigmenwechsel möglich“
Im Rahmen der Fachtagung wurde eine völlig neue Art der Ökonomie diskutiert, die Vermittler überflüssig macht und auf dezentrale Datenstrukturen setzt - ein Modell, das in jeden Bereich vordringen kann. Durch die Möglichkeit, sogenannte „Smart Contracts“ zu hinterlegen, eignet sich die Blockchain unter anderem auch für Aufgaben wie Asset-Management oder für Workflows und Prozesse, die ihr eigenes Regelwerk mitbringen und dessen Berücksichtigung sicherstellen.
Keynote-Speaker Alfred Taudes, Professor der WU Wien, sieht große Chancen beim Einsatz der neuen Technologie: „Blockchain bietet enorm viele Möglichkeiten, wenn wir uns genauer damit auseinandersetzen. Für B2B und B2C kann vieles realisiert werden. Auch in der Supply Chain ist der sinnvolle Einsatz denkbar, wenn Unternehmen die Gegebenheiten und Anforderungen gut kennen.“
Dirk Siegel, Partner bei Deloitte und Leiter des Blockchain Institute, sieht die Blockchain als das neue Internet: „Vor allem im Sinne der Änderungen, die sie bewirkt. Die neue Technologie ist genauso disruptiv wie die damalige Einführung des Internets, daher wird ein kultureller Paradigmenwechsel möglich.“

Risiken einer unausgereiften Technologie
Trotz der unbegrenzten Möglichkeiten dürfen die Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Viele Blockchain-Konzepte sind unfertig, nicht ausgereift und unerprobt für geschäftskritische und skalierbare Anwendungen. Außerdem fehlt bis jetzt leider noch eine Standardisierung. Jeder meint, die Blockchain mit gewissen Abwandlungen besser machen zu müssen. Dadurch bleibt ein einheitlicher Standard bisher unerreicht und die Interoperabilität auf der Strecke. Zudem konstatiert Gartner im Trend Insight Report, dass es bisher im Finanzbereich nicht gelungen sei, Anwendungsbeispiele über die Blockchain zu skalieren.
Dazu stellt Alfred Taudes klar: „Die neue Technologie ist auf jeden Fall ernst zu nehmen, aber nicht alle Probleme können damit gelöst werden und der Einsatz ist nicht für alle Prozesse sinnvoll. Was allerdings jeder kann, ist mit Blockchain spielen und Whitepapers lesen.“ Die Open Source-Technologie ermögliche schnelle und einfache Testphasen. Auch für Start-ups würden sich damit große Chancen eröffnen. Zudem könnten sogar Werbenetzwerke über Blockchain funktionieren. Unternehmen würden Token sammeln und diese dann für eigene Schaltungen weiterverwenden.
Die Demokratisierung von Daten kann mit der Blockchain Wirklichkeit werden, und das mit besonders hohem Sicherheitsgrad. Seit bereits neun Jahren eingesetzt, konnte die Technologie noch nie gehackt werden. Bei der Fachtagung waren sich die Speaker einig, dass daraus die manipulationssichere Datenbank der Zukunft entstehen kann, die in Verbindung mit IoT und mit Smart Contracts neue Lösungen für alltägliche Prozesse schaffen wird.

 
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