Wissen
12.12.2018
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Digitalisierung muss menscheln


Autor: Paul Prihoda, ADV Generalsekretariat

Alle loben Digitalisierung in den Himmel, erhoffen sich Großes und blicken vorfreudig auf ihre Transformationsvisionen. Ohne den menschlichen Treiber bleibt es allerdings bei theoretischen Gesprächen.

Kaum eine Unterhaltung kommt heute ohne die Begriffe „Digitalisierung“ und „Transformation“ aus. Gesprächspartner legen große Hoffnung in ihre digitale Zukunft und sehen unendliches „Potenzial“. Digitalisierung scheint plötzlich die Lösung für all unsere Probleme zu sein. Was allerdings oft übersehen wird: Ohne menschliche Intelligenz und Vehemenz bleibt es bei digitalem Wunschdenken.

Die Studie „Digitale Transformation von KMUs in Österreich 2018“ zeigt deutlich, dass vor allem der Mittelstand einen Mangel an Know-how zur Umsetzung sieht. Digitalisieren, ja bitte, gerne. Aber wie? „Die Digitalisierung“ gibt es nicht in einem Komplettpaket zum Mitnehmen. Sie basiert auf und besteht aus Engagement und kreativer Lösungsorientierung jedes Beteiligten. Sie braucht Vorstellungskraft und Kreativität, aber auch umfassendes Wissen, um Ideen umsetzbar zu machen. Vernetzt, sinnverknüpfend, flexibel und kritisch zu denken, bleibt also nach wie vor dem Menschen überlassen. Das digitale Zeitalter macht das umso wichtiger.
 

Irren und kritisieren erwünscht

Natürlich ist kein Mensch perfekt. Fehler passieren uns garantiert. Was uns dabei auszeichnet? Wir können Defi zite erkennen, Lösungen finden und von dem gesamten Prozess profi tieren. Und: Wir lernen auch aus Fehlern, die wir nicht selbst gemacht haben. Wir entwickeln Ideen und Gedanken weiter, die nicht zwingend unsere eigenen sein müssen. Der Austausch mit Fachkollegen und Branchenfremden eröffnet neue Perspektiven, erweitert unseren Gedankenhorizont und erkannte Potenziale.

Haben wir neue Prozesse oder Projekte gestartet, können wir diese, auch in der Konversation mit anderen, stets kritisch hinterfragen. Laufende Reflexion und konsequentes Infragestellen der eigenen Handlungen sind erfolgsentscheidend. Außenstehende können dabei Projekte oft kritischer betrachten als wir selbst. Im Gespräch ist man also beides: der Geprüfte und der Prüfer.
 

Teamklausur

Plötzlich klingt diese Digitalisierung mehr nach einer konsequenten Prüfungssituation, inklusive Schweißausbruch und Panikattacken? Keine Sorge, diese Prüfung schreiben Sie nicht alleine. Jeder in Ihrer Organisation ist prüfungsberechtigt und darf bzw. soll seinen Teil beitragen.

Mitdenken, Kritisieren, Nachfragen und Bohren muss flächendeckend gelebt werden. Das gilt für den Praktikanten ebenso wie für den CEO, für den Programmierer sowie für die Kundenbetreuerin. Voraussetzung dafür ist Offenheit in der Organisation – wer einen Hinweis hat, muss diesen auch anbringen können, dafür entsprechend wertgeschätzt werden. Denn ohne enthusiastische Vehemenz kommen Sie über digitales Wunschdenken nicht hinaus.

Dieser Artikel erschien in der Print-Ausgabe der ADV Mitteilungen, Nr. 3/2018.

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