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08.11.2018
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Gibt es genug Digitalisierung für CDO und CIO?

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist der Chief Information Officer (CIO) ein wichtiger Digitalisierungsvertreter. Er wird seit jeher im Zusammenhang mit Transformationsthemen in jedem Gespräch erwähnt, ihm sind zahlreiche Kongresse, Tagungen und Awards gewidmet. Der Chief Digital Officer (CDO) hingegen ist hierzulande noch jung und etabliert sich langsam. Die beiden Funktionen werden in Fachgesprächen immer wieder als überlappend bezeichnet oder gar gleichgesetzt.

Mag. Michael Ghezzo, Geschäftsführer und Eigentümer der Confare GmbH, hat unter anderem den CIO Summit sowie den dazugehörigen Award ins Leben gerufen und befasst sich seit mehr als zehn Jahren mit diesem Beruf. Zahlreiche unterschiedliche Auffassungen des CIOs zeigen, wie wandelbar diese Funktion ist. „Von ‚Career is over‘ bis hin zu ‚Chief Innovation Officer‘ wird in der Praxis sehr kreativ und bedarfsorientiert interpretiert“, erklärt er.

Seine Definition besagt, dass der CIO als Führungskraft auf erstem oder zweitem Entscheider-Level die IT-Geschicke eines Unternehmens lenkt. Die Rolle des CDOs hänge stark vom Unternehmen ab, so der Branchenexperte weiter. „Sie bewegt sich irgendwo zwischen Innovationstreiber und Kreativitäts-Kondensator bis hin zu einer menschlichen Schnittstelle zwischen Innovatoren und den beteiligten Peers im Unternehmen.“
 

Inneneinrichtung und Zukunftsarchitektur

Ein Blick ins Innere des österreichischen Bundes zeigt, was die bekanntesten Rollenvorbilder zu ihren Alltagsaufgaben zählen: „Das bei der Einrichtung der CIOs festgelegte Ziel, Synergien zu wecken und möglichst wenig unterschiedliche Ansätze in der Verwaltung zu präsentieren, ist nach wie vor das Wichtigste“, erklärt Prof. Dr. Reinhard Posch, CIO des Bundes, seine Position. Der CDO hingegen ist auf das bereits erwähnte Innovationstreiben fokussiert. „Der Chief Digital Officer im Bund arbeitet Schulter an Schulter mit dem CIO, um einen nachhaltigen Boden für die digitale Zukunft zu gewährleisten“, erläutert Dr. Andreas Weber, CDO des BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) und stellvertretender CDO des Bundes.
 

Zwei in Eins?

Die Aufgabenbereiche beider Funktionen liegen sehr nahe beieinander und erfordern gute Zusammenarbeit und Abstimmung. Überlappungen oder unklare Zuordnungen von Aufgaben gibt es im Falle des Bundes dennoch nicht. Vereinend sei jedoch das gemeinsame Ziel, „Österreich möglichst umfassend und rasch im Bereich der Digitalisierung weiter nach vorne zu bringen“.

Diskutiert man mit Fachkollegen über die Hauptverantwortlichkeit für Digitalisierungsagenden, wird oft die Kritik geäußert, dass es nicht zwei Positionen dafür brauche. Ghezzo schreibt der Rolle des CIOs prinzipiell zu, auch jene Funktion des CDOs erfüllen zu können. In der Praxis sehe es jedoch häufig so aus, dass der CIO auf seine Servicefunktion beschränkt ist – womit sich jemand anderer um Innovation und Potenziale kümmern müsse. „Dafür ist die Einrichtung eines CDOs nicht unüblich, jedoch nicht unbedingt notwendig. Jeder Mitarbeiter kann neue Möglichkeiten erkennen und etablieren. Denn die Grenzen des Machbaren werden nicht mehr von der Technologie vorgegeben, sondern von unserer Fähigkeit, diese sinnvoll einzusetzen“, erklärt Ghezzo seine Ansicht.
 

Bitte mehr Digitalisierung!

Auch im Bund sieht man prinzipiell die Möglichkeit, dass eine Person die Funktion des CDOs und des CIOs vereint und alle Aufgaben wahrnimmt. Digitalisierung brauche allerdings mehr Raum und mehr Ressourcen, erklären Weber und Posch einstimmig den Bedarf einer weiteren Position. Das sieht die gesamte Branche ähnlich. So betrachtet es auch Ghezzo kritisch, wenn Unternehmen ihren Digitalisierungserfolg in eine Hand oder gegebenenfalls in zwei Hände legen. „Der digitale Wandel sollte auf der Agenda jeder Führungskraft und jedes Mitarbeiters im Unternehmen ganz oben stehen“, findet er.

In diesem Zusammenhang sieht Posch in der Rolle des CDOs nicht nur eine „Raum-Erweiterung“, sondern auch ein Aufmerksammachen auf das Thema. „Die Einrichtung der CIOs ist bereits über viele Jahre vorhanden und eingespielt. Damit wird eine solche auch zur Selbstverständlichkeit und verliert naturgemäß etwas an Aufmerksamkeit der Politik, insbesondere dann, wenn die Aufgaben kontinuierlich erledigt werden. Mit den CDOs wurde der Link zur politischen Aufmerksamkeit aufgefrischt und wieder gestärkt“, erklärt Posch. 
 
 

Tipps von CIO und CDO des Bundes

Prof. Dr. Posch und Dr. Weber sind Experten auf dem Gebiet der Digitalisierung und im Fit-Machen für die Zukunft. Die ADV Mitteilungen haben nachgefragt: Welchen Tipp geben sie österreichischen Unternehmen für ihre digitale Zukunft mit?
 
Prof. Dr. DI Reinhard Posch, CIO des Bundes: „Für die österreichischen Unternehmen ist es besonders wichtig, jetzt wo EU-weit die eIDAS-Verordnung in Kraft ist, im Bereich der elektronischen Identifikation diese Synergien zu nutzen und die gleichen Wege zu gehen wie die Verwaltung. Dazu werden sowohl im mobilen wie auch im BC-Bereich die Infrastrukturen und technischen Mittel seitens des Bundes bereitgestellt.“

DI Dr. Andreas Weber, CDO des BMVIT und stv. CDO des Bundes: „Unternehmen sollten immer am Ball bleiben – lieber früher investieren und mehr Transformationsschritte mitmachen, als später hinterherlaufen zu müssen. Die Digitalisierung kann nicht in einem großen Satz ‚erledigt‘ werden, sondern erfordert viele kleine Einzelschritte. Der hintergründige Lernprozess erfordert Anstrengungen, bietet aber schon während des Lernens enormes Potenzial für Output und Effizienz.“

Dieser Artikel erschien in der Print-Ausgabe der ADV Mitteilungen, Nr. 3/2018.

 
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