Wissen
12.12.2018
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Im Grunde eine IT-Pionierin

Für die Öffentlichkeit war Hedy Lamarr, deren Leben 2017 sogar ein eigener Film gewidmet wurde, der schillernde Hollywood-Star der 40er Jahre. Kaum jemand wusste, dass die gebürtige Österreicherin als Wissenschaftlerin Pionierarbeit im Mobilfunk leistete und mit ihren innovativen Ideen den Grundstein für die Bluetooth- und WLAN-Technologie legte.
 

Nach ihrer ersten Scheidung und Zwischenstopps in Paris und London fasste Hedy Lamarr, die mit ge- bürtigem Namen Hedwig Eva Maria Kiesler hieß, in Hollywood Fuß, wo der Filmproduzent Louis B. Mayer sie unter Vertrag nahm und sie durch ihre Filmrollen bald zum Star, zur Stilikone und zum Vorbild für viele Frauen avancierte. Was die meisten nicht wussten: Lamarr war nicht nur schön, sondern auch klug und besaß fundiertes Wissen über Technik und Erfi ndergeist.
 

Die revolutionäre Erfindung einer IT-Frau

Gemeinsam mit George Antheil, einem Freund und, so wie Lamarr, Gegner des Nationalsozialismus, tüftelte sie an einer Technik, um Torpedos mit einem sicheren Kommunikationssystem auszustatten. Die neue Technologie sollte damals das US Militär im Kampf gegen das Hitler-Regime unterstützen, doch das Militär lehnte das Angebot für die kostenlose Nutzung der Technik der beiden Erfi nder ab. Erst einige Jahre später und nach Ablauf des Patents kam das Frequenzsprungverfahren von Lamarr und Antheil zum Einsatz. Heute dient die Erfi ndung als Grundlage sämtlicher Technologien im Mobilfunkbereich.
 

Verkanntes Talent

Lamarr‘s Talent wurde lange von ihrer Hollywood-Leinwand-Karriere überstrahlt. Erst kurz vor ihrem Tod fand ihre Arbeit und ihr wichtiger Beitrag zur modernen Technik angemessene Wertschätzung. Fehlende Anerkennung, mit der nicht nur damals Lamarr als Vorreiterin ihrer Zeit, sondern auch Frauen in der heutigen Technikwelt zu kämpfen haben. An ihrem Beispiel ist klar, dass es nicht an Vorbildern und revolutionären IT-Frauen mangelt, ihnen fehlt lediglich die öffentliche Aufmerksamkeit ihrer Arbeiten. Deshalb wurde heuer zum ersten Mal im Rahmen der Digital Days der Hedy Lamarr-Preis der Stadt Wien für innovative Frauen in der IT vergeben. Der Preis soll exzellente Forscherinnen in der IT auszeichnen, die, wie damals Lamarr, die digitale Welt von morgen prägen.

Die Digitalisierung verändert beinahe alle unsere Lebensbereiche. Dabei ist es wichtig, dass der Aspekt der Diversität bzw. Gendergerechtigkeit berücksichtigt wird. In fast allen Bereichen der IT sind Frauen unterrepräsentiert. Daher bedarf es einer Vielzahl von Maßnahmen dies zu ändern. Neben einer gezielten Ausbildung und Unterstützung von Forscherinnen sind vor allem Role Models nötig und ich denke, dass es kein besseres gibt als Hedy Lamarr. In meiner täglichen Arbeit ist es mir stets wichtig, immer darauf aufmerksam zu machen, dass wir noch sehr viel zu tun haben, das beweist zum Beispiel der niedrige Frauenanteil auf Panels zu diversen Technologiethemen.
Mag. Ulrike Huemer, Mitverantwortliche für das Award Konzept zum Hedy Lamarr-Preis
 
 
Die erste Preisträgerin ist die Salzburger Forscherin Verena Fuchsberger-Staufer. Sie beschäftigt sich mit der Verschmelzung von Mensch und Maschine sowie deren Chancen und Möglichkeiten für die Zukunft.

Dieser Artikel erschien in der Print-Ausgabe der ADV Mitteilungen, Nr. 3/2018.


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