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13.12.2018
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„Once only“ – Daten und der Staat

Autor: Dr. Arthur Winter

Wir kaufen, kommunizieren und arbeiten online. Bei all dem digitalen Fortschritt hinkt der Austausch mit staatlichen Behörden erheblich hinterher, denn dieser findet (noch) weitgehend offline statt.

Die Vision der Regierung in Österreich für ein nutzerzentriertes, unsichtbares und smartes Government basiert unter anderem auf der Umsetzung des „Once only“-Prinzips. Dabei werden Standarddaten von Bürgern und Unternehmen nur einmal „der Verwaltung“ mitgeteilt. Daten, die heute für alle Behörden aus dem vom Bundesministerium für Inneres, kurz BMI, geführten „Zentralen Personenstandsregister“ abrufbar sind, sollen künftig mit Zustimmung und über Schnittstellen dorthin fließen, wo sie gebraucht werden. Voraussetzung dafür ist, die Daten so aufzubereiten, dass andere Verwaltungsinstitutionen sie für ihre Aufgaben tatsächlich nutzen können.
 

Gute Aussichten für die staatliche Datenwüste

Daten sind auf Aktenschränke verstreut und dort, wo sie derzeit schon elektronisch geführt werden, meist nur einem eingeschränkten Kreis zugänglich. Jährlich werden große Summen dafür aufgewendet, um Daten von Neuem zu erheben. Das soll sich in Zukunft ändern, denn das Projekt „Once only“, welches ein großer Schwerpunkt im Digitalisierungsprogramm der Regierung ist, verspricht die Optimierung wirtschaftlicher, privater und behördlicher Abläufe in Österreich. Ein simples Beispiel, das jeden von uns einmal betreffen kann oder bereits Mühe bereitet hat, ist der behördliche Aufwand nach einer Geburt. Derzeit müssen frischgebackene Eltern etwa fünf verschiedene Behördenwege auf sich nehmen, damit sie alle wichtigen Dokumente für ihr Kind erhalten. Weitere Aufwände, die für die Ausstellung eines Reisepasses oder eines Personalausweises für das Baby anfallen, sind in dieser Angabe nicht berücksichtigt. Durchgängig gleichbleibende Prozesse wie dieser sollen mit dem „Once only“-Projekt bald automatisiert erfolgen. Dabei werden Aufwand und Kosten gespart, die bei einer Datenneuerhebung erheblich höher ausfallen würden.
 

Elektronische Identität

Auch Änderungsmeldungen von Bürgern und Unternehmen müssen nur einmal erfolgen und stehen nach Bekanntgabe, wie etwa beim Personenstand, über das Zentrale Personenstandsregister sofort allen anderen Behörden zur Verfügung. Der Weg in Richtung eines datenzentrierten E-Governments setzt aber unter anderem voraus, dass sowohl in den staatlichen Registern als auch auf Datenmarktplätzen eine eindeutige Zuordnung der Daten erfolgen kann. Eine elektronische Identität ist als Kernaufgabe des Staates nicht nur für den Bürger (Bürgerkarte), sondern auch für die Unternehmen zu führen.
 

Gewinne für Bürger, Unternehmen und Behörden

In einer vernetzten und papierlosen Verwaltung werden Geld, Zeit und Nerven bei allen Beteiligten gespart. Voraussetzung für den reibungslosen Ablauf ist eine gelungene Verknüpfung aller Akteure und die Einhaltung des Datenschutzes. Damit stehen eher rechtliche Fragen als technische im Vordergrund. Datenzentriertes E-Government stellt vor allem eine organisatorische Herausforderung auf Basis politischer Grundsatzentscheidungen dar.

Dr. Arthur Winter war unter anderem Leiter der IT-Sektion des Bundesministeriums für Finanzen, langjähriger Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV), stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der BRZ GmbH sowie Präsident von A-SIT.


Dieser Artikel erschien in der Print-Ausgabe der ADV Mitteilungen, Nr. 3/2018.

 

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