Warum Technik Frauensache ist

12. März 2026 / Rebeka Lacarak

Der 8. März steht jährlich für den Einsatz für Gleichberechtigung, mehr Sicherheit, Respekt und gleiche Rechte für Frauen sowie für faire Bedingungen in allen Lebensbereichen.

Dabei stehen vor allem jene Bereiche im Mittelpunkt, in denen echte Gleichstellung nach wie vor nicht erreicht ist: faire Entlohnung, gleiche Chancen in Bildung und Karriere, geschlechtersensible Medizin, wirtschaftliche Unabhängigkeit sowie eine gerechte Verteilung von Verantwortung in Familie, Gesellschaft und Arbeitswelt.

Am Weltfrauentag geht es jedoch nicht nur darum, auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen, sondern auch jene Frauen sichtbar zu machen, die trotz dieser Hürden mit ihrem Engagement, ihrem Wissen und ihrem Mut gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben. Frauen, die in Wissenschaft und Medizin neue Erkenntnisse ermöglichen, in sozialen Bewegungen für Gerechtigkeit und Menschenrechte eintreten, politische Verantwortung tragen, Bildung voranbringen oder technologische Entwicklungen gestalten.

Dieser Gestaltungswille und diese Durchsetzungskraft prägen auch den Auftakt des neuen Jahres im ADV Frauennetzwerk. Deshalb ist es uns eine besondere Freude und Ehre, die erste Woman of the Month dieses Jahres vorzustellen: Julia Dewitz-Würzelberger, Projektleiterin des OT Cyber Security Lab bei VERBUND.

Schlüsselrolle für die Sicherheit kritischer Infrastruktur

Julia Dewitz-Würzelberger leitet das OT Cyber Security Lab bei VERBUND und analysiert dort gemeinsam mit ihrem Team Technologien, die die Sicherheit von kritischen Energieinfrastrukturen verbessern sollen. In dieser Rolle initiiert und begleitet sie Projekte rund um industrielle Cyber Security, arbeitet mit Herstellern, Partnerorganisationen und Forschungseinrichtungen zusammen und entwickelt Lösungen, die technische Innovation mit hohen Sicherheitsanforderungen verbinden. Die Arbeit im Lab bewegt sich direkt an der Schnittstelle von Technologie, Industrie und Sicherheitsstrategie.

Ihre Begeisterung für Technologie und Digitalisierung entwickelte sie bereits während ihres Studiums der Kultur- und Sozialanthropologie. Dort entstand das grundlegende Interesse daran, wie technologische Entwicklungen gesellschaftliche Prozesse prägen. Die konkrete Faszination für Cybersicherheit sowie die dafür notwendigen technischen Grundlagen eignete sie sich später im Rahmen des IT-Kollegs an, wo sie sich intensiv mit Programmierung, Datenbanken und Netzwerktechnik beschäftigte. Gerade die Verbindung aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive und technischem Know-how eröffnet für sie einen besonderen Blick auf Technologie.

Frauen und Technik: ein Perfect Match

Seit Jahrzehnten gilt der MINT-Bereich als Männerdomäne, obwohl Forschung und Praxis zeigen, dass genau jene Fähigkeiten, die moderne Technologieprojekte erfolgreich machen, häufig Frauen zugeschrieben werden. Julia Dewitz-Würzelberger bringt dazu eine sozialanthropologische Perspektive ein und macht deutlich, wie sehr technische Entwicklungen von gesellschaftlichen Strukturen, Rollenbildern und kulturellen Prägungen geprägt sind.

„Frauen bringen neben analytischem Denken auch ein hohes Maß an Organisationstalent, Empathie, Kommunikationsstärke und vernetztem Denken in Teams ein – Fähigkeiten, die für erfolgreiche technische Projekte immer wichtiger werden. Sozialanthropologisch betrachtet fördern solche sozialen und interdisziplinären Kompetenzen die Dynamik und Innovationskraft von Gruppen. Auch die Diversitätsforschung belegt, dass Teams mit unterschiedlichen Perspektiven kreativer und nachhaltiger Lösungen entwickeln. Biologische Unterschiede fallen im Alltag meist deutlich kleiner aus als individuelle Unterschiede und werden stark durch kulturelle und soziale Einflüsse geprägt. Gerade wenn verschiedene Denkweisen und Erfahrungen zusammenkommen, entstehen Lösungen, auf die man in homogenen Teams kaum gekommen wäre.“

Empowerment als gelebte Haltung

Wenn technologische Innovation von unterschiedlichen Perspektiven lebt, stellt sich eine zentrale Frage: Wie entsteht ein Umfeld, in dem Menschen ihre Fähigkeiten sichtbar machen und einbringen können? Für Julia Dewitz-Würzelberger liegt die Antwort in einer Kultur des Empowerments. Für sie bedeutet dies, Menschen darin zu bestärken, ihre individuellen Potenziale als wertvolle Ressourcen zu erkennen und aktiv einzubringen. Vertrauen in Fähigkeiten schafft Selbstbewusstsein, und aus diesem Selbstbewusstsein entstehen Ideen, Initiative und Fortschritt. Besonders prägend sind für sie jene Momente im Arbeitsalltag, in denen Kolleg:innen ihre Kompetenzen entfalten, Verantwortung übernehmen und sich aktiv in Projekte und Entscheidungen einbringen.

Dabei spielt Sichtbarkeit eine entscheidende Rolle. Wer Menschen sieht, die ihren Weg in der Technologiebranche erfolgreich gegangen sind, entwickelt leichter den Mut, eigene Ambitionen zu verfolgen. Ermutigende Impulse können den entscheidenden Unterschied machen, wenn es darum geht, Herausforderungen anzunehmen und langfristige Ziele im Blick zu behalten. Innerhalb des OT Cyber Security Lab engagiert sich Julia Dewitz-Würzelberger deshalb immer wieder in Initiativen, die junge Menschen, besonders Frauen, ermutigen sollen, ihren Weg in die Technik zu beginnen oder konsequent weiterzugehen.

Gleichzeitig spricht sie offen über die Realität dieses Weges. Der Einstieg in die Technologiebranche verlangt Neugier, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gerade für Menschen, die aus einem anderen Fachbereich kommen, bedeutet dieser Schritt intensive Lernphasen und viel Engagement. Gleichzeitig eröffnet kaum ein anderes Feld so viele Möglichkeiten, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Technologie bringt Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammen, und genau diese Vielfalt macht die Branche dynamisch, innovativ und offen für neue Perspektiven.

 

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