Talenteförderung als gesellschaftlicher Auftrag

25. April 2026 / Rebeka Lacarak

Ob Gesundheitswesen, Bildung, Industrie, Verkehrswende oder Klimawandel – kaum eine Branche und gesellschaftliche Herausforderung kommt heute ohne digitale Technologien aus. Der seit Jahren anhaltende Fachkräftemangel bremst jedoch die dringend notwendige Transformation dieser Bereiche. Es stellt sich daher die Frage, wie IT-Interessierte einerseits bestmöglich unterstützt werden können und wie fachfremde Personen andererseits ihre Berührungsängste abbauen können.

„Mir ist es wichtig, zu vermitteln, dass niemand ein Mathe-Genie sein muss und dass Technologie kein isolierter Bereich ist, sondern von Zusammenarbeit, Kommunikation und unterschiedlichen Hintergründen lebt“, sagt Nicol Weghofer, Software- und DevOps Engineer bei der Raiffeisen Bank International und ADV Woman of the Month. Sie ist unter anderem beim Wiener Coding Campus 42 Vienna als Mentorin tätig, der das Ziel verfolgt, dem wachsenden Bedarf an IT-Talenten aktiv zu begegnen und den Zugang zu technologischer Ausbildung unabhängig von Vorbildung, Lebenslauf oder bisherigen Karrierewegen zu ermöglichen. Das Lernmodell des Instituts basiert auf projektorientiertem Arbeiten, Peer-to-Peer-Lernen sowie einem hohen Maß an Eigenverantwortung, bei dem Teilnehmende Lösungen im Austausch miteinander entwickeln und sich Wissen eigenständig aneignen.

Neue Wege in die IT eröffnen

Weghofer ist eine der treibenden Kräfte hinter diesem besonderen Ausbildungsprogramm. Sie unterstützt Studierende aktiv beim Einstieg in die IT, gibt Feedback zu Bewerbungsunterlagen und stellt gezielt Kontakte zu Hiring Leads her. Dabei organisiert sie auch Hackathons und Konferenzen und bringt sich als Speakerin auf diversen Veranstaltungen ein.

Was ihre Arbeit und ihr Engagement auszeichnet, ist die Verbindung aus technischer Tiefe und menschlicher Interaktion: „Ich liebe es, in Code einzutauchen und gleichzeitig mit anderen zu arbeiten, Netzwerke aufzubauen und die Community zu stärken. Genau diese Mischung eröffnet immer wieder neue Perspektiven und macht meinen Arbeitsalltag so spannend. Programmieren ist für mich ein kreativer Prozess, vergleichbar mit dem Lösen eines Puzzles, bei dem sofort ersichtlich ist, ob eine Lösung funktioniert. Diese Begeisterung möchte ich weitergeben, um zu zeigen, wie vielseitig und zugänglich die IT eigentlich ist“, so Weghofer.

Karriere jenseits klassischer Pfade

„Es gibt nicht den einen klassischen Karriereweg, sondern viele Möglichkeiten, auch für Quereinsteiger:innen, und genau das macht die Branche so offen und dynamisch. Es ist ein besonders guter Zeitpunkt, sich weiterzuentwickeln und neue Skills aufzubauen. Entwicklungen wie AI eröffnen neue Möglichkeiten und rücken unterschiedliche Denkweisen stärker in den Fokus. Interdisziplinäres Denken, Kreativität und die Fähigkeit, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, gewinnen zunehmend an Bedeutung.“, betont Weghofer.

Das zeigt auch ihr eigener Weg in die IT. Er begann abseits klassischer Karrierepfade mit einem Jurastudium. Besonders die Schnittstelle zwischen Recht und Technologie weckte ihr Interesse und führte sie schließlich zu 42 Vienna. Dort fand sie einen Zugang, der ihrem Denken und Arbeiten entsprach: statt theoretischer Modelle standen reale Problemstellungen im Mittelpunkt und eigenständiges Erarbeiten von Lösungen.

Frauen stärken, heißt Zukunft gestalten

Obwohl Frauen wie Nicol Weghofer täglich zeigen, wie prägend, innovativ und leistungsstark sie diese Branche mitgestalten, bleibt die IT noch immer ein Raum, in dem sie deutlich unterrepräsentiert sind. Zusätzlich zu Erfolgsgeschichten, die Sichtbarkeit schaffen, braucht es daher gezielte Förderung, Begleitung und Ermutigung, um echte Veränderung voranzutreiben und den Zugang zur Technologie nachhaltig zu öffnen.

Für Weghofer ist genau das ein zentraler Bestandteil ihres Wirkens: „In meiner Rolle als Mentorin und Botschafterin sehe ich es als klare Aufgabe, die Homogenität der IT-Branche aufzubrechen und Frauen gezielt zu fördern. Als erste weibliche Absolventin des Common Core bei 42 Vienna weiß ich, wie entscheidend sichtbare Beispiele sind, um anderen zu zeigen, dass dieser Weg möglich ist. Genau diese Vorbildfunktion möchte ich aktiv nutzen, um mehr Frauen für die IT zu gewinnen und ihnen den Einstieg zu erleichtern.“

Gleichzeitig wird deutlich, was ihr Handeln prägt: „Mich treibt die Überzeugung an, dass Teams dann besonders stark sind, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Vor allem Frauen bringen essenzielle Fähigkeiten wie Kommunikation, Kreativität, Teamarbeit, Genauigkeit und analytisches Denken mit, die für technologische Entwicklungen unverzichtbar sind. Gleichzeitig geht es um mehr als Innovation, es geht um Chancengleichheit und darum, Frauen den Zugang zu einer zukunftssicheren Karriere und finanziellen Unabhängigkeit zu ermöglichen. Durch Mentoring, Vernetzung und persönliche Unterstützung arbeite ich gezielt daran, Barrieren abzubauen und Talente dabei zu begleiten, ihr Potenzial voll zu entfalten.“

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