„Mädchen sind genauso neugierig auf Technik wie die Burschen“

20. Juli 2023 / Evelyn Riha, Distinguished Senior Systems Engineer bei NTS Innsbruck, im Gespräch

Evelyn Riha ist als Distinguished Senior Systems Engineer bei NTS am Standort Innsbruck tätig. Sie verrät uns im Gespräch, wie sie sich als Frau in dieser Männerdomäne zurechtfindet und wie man ihrer Meinung nach junge Frauen für die Branche begeistern kann.

Was hat Sie in die IT-Branche geführt?

Evelyn Riha: Ich habe mich noch nie in traditionellen Geschlechterrollen wiedergefunden. In der Schule war ich das erste Mädchen in der Jungenwerkgruppe und später war ich eine der wenigen Frauen, die die Lehrabschlussprüfung für EDV-Techniker (damals noch ohne Gendern …) abgeschlossen haben. Was die IT-Branche konkret betrifft: Computer waren für mich schon immer interessant, schon mit 13 habe ich in einem Freundschaftsbuch einer Schulkameradin IT-Technikerin als Berufswunsch angeführt. Ich fand es einfach so toll, dass es in der IT klare Problemstellungen gibt, die man wie Rätsel lösen kann.

Was sollen Mädchen oder junge Frauen aus Ihrer Sicht tun, wenn sie in die IT gehen wollen?

ER: Sie sollen sich auf keinen Fall ins Bockshorn jagen lassen, sondern sich intensiv informieren. Zunächst einmal ist die Branche extrem vielseitig: Man sitzt nicht die ganze Zeit eigenbrötlerisch vor dem PC, es gibt viele Berufsbilder mit einer starken sozialen Komponente: etwa Projekte zu planen und zu managen oder Kund:innen zu beraten. Auch die Vielfalt der Aufgaben – ob einfach oder komplex – wie auch die Flexibilität sind attraktiv. Man kann sich seine Zeit sehr gut einteilen und ist großteils nicht an bestimmte Örtlichkeiten gebunden. So ist eine Berufslaufbahn in der IT sehr gut mit der Familie vereinbar.

Was die persönlichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten betrifft, lautet mein Appell an die jungen Frauen und Mädchen: Macht Herstellerschulungen, da lernt man viel. Geht zu allen möglichen Treffen und Konferenzen, vernetzt euch mit Leuten in der Branche und tauscht euch aus. Und am allerwichtigsten: Seid mutig, traut euch was und habt Mut zur Lücke – man kann nicht immer alles wissen.

Was ist zu tun, um mehr Frauen für einen Beruf in der IT zu begeistern?

ER: Das beginnt eigentlich schon in der Erziehung, die bei uns meiner Meinung nach immer noch sehr traditionell ausgelegt ist und eingefahrene Geschlechterrollen früh festlegt: Man lässt Mädchen eher mit Puppen spielen als mit Lego. Das wirkt weiter bis zur Berufsorientierung in Schule. Ich habe damals Folgendes gehört: „Du bist ja eine Frau, du hast sicher eine soziale Ader, du solltest zum Beispiel in den Pflegebereich gehen.“ Floristin und Friseurin wurden mir auch vorgeschlagen. Aber das hat mich alles nie interessiert. Mädchen sind genauso neugierig wie Burschen, und das auch, wenn es um Technisches geht. Dieses Klischeedenken muss in der Schule und in der Ausbildung einfach aufgebrochen werden. Wir sollten den Mädchen die Angst vor diesem – für sie noch – Unbekannten nehmen. Die IT ist nicht so erschreckend fremdartig, wie viele glauben. Zum Beispiel muss man nicht in jedem IT-Berufsfeld programmieren können. Und das Klischee, dass man gut in Mathematik sein muss, stimmt auch nicht. Ich bin selbst nicht so gut in Mathe und habe trotzdem in meinem Beruf keine Probleme. Leider kommen aus den genannten Gründen Mädchen oft gar nicht auf die Idee, in den IT-Bereich zu gehen. Sie benötigen einen Einblick in das Feld, man muss die Thematik öffnen und erklären, was wirklich relevant ist. Das Geschlecht ist da ganz sicher nicht relevant!

Können IT-Unternehmen von einem höheren Frauenanteil profitieren?

ER: Die Branche wird durch die stärkere Präsenz von Frauen einfach vielfältiger, genauso wie die Produkte, die daraus resultieren. Frauen haben meiner Meinung nach andere Ansätze, Herausforderungen anzugehen und Probleme zu lösen, und bieten dadurch auch andere Perspektiven an. Je mehr unterschiedliche Ansichten es gibt, desto robuster werden Lösungen. So können Unternehmen mehr aus der Technik machen und mehr rausholen aus ihren Ressourcen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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