Schutz vor digitaler Gewalt

Wie Sie sich und Ihre Familie stärken können

18. September 2026 / ADV-Redaktion

Digitale Gewalt hat viele Gesichter. Cybermobbing und -grooming, Hasspostings, Deepnudes, Online-Stalking – wer in den Sozialen Medien unterwegs ist, stößt möglicherweise auf eine dieser Gewaltformen oder ist sogar ein Opfer dessen geworden. Denn laut einer im September 2026 veröffentlichten Umfrage der Statistik Austria gaben 37 Prozent der Befragten an, in den letzten drei Monaten auf Hass im Netz gestoßen zu sein – 2023 waren es noch 31 Prozent gewesen. Sich dagegen zu wehren, ist aber immer noch mit großen operativen, administrativen und auch legalen Hürden verbunden.

Unterstützung im Kampf gegen digitale Gewalt

Der Digital Services Act (DSA) der EU verpflichtet zwar seit 2024 Anbieter von Online-Plattformen wie Google, Instagram und TikTok dazu, gegen illegale Inhalte vorzugehen und die Rechte sowie die Sicherheit ihrer Nutzerinnen und Nutzer besser zu schützen. Doch deren Wille, jene Plattformdaten öffentlich zugänglich zu machen, die es ermöglichen, illegale Inhalte zu melden, die entsprechenden Postings zu löschen und gegen verantwortliche Nutzerkonten vorzugehen, ist bislang höchst überschaubar.

Es gibt aber Werkzeuge und Beratungsstellen, die Betroffene unterstützen, Awareness für das Problem schaffen und Maßnahmen gegen digitale Gewalt ergreifen. In diesem Blogbeitrag wollen wir Ihnen einige davon vorstellen – vielleicht können Sie damit jemandem in Ihrem Umfeld helfen oder auch sich selbst, Ihre Familien und Ihre Mitarbeiter:innen besser gegen digitale Gewalt wappnen.

Tools für Meldung und Dokumentation

  • Ban Hate: Eine kostenlos im App-Store erhältliche Anwendung der Antidiskriminierungsstelle Steiermark, die eine anonyme Meldung von Hasspostings oder Hate Crime in wenigen Schritten ermöglicht.
  • HateBlocker: Ein KI-gestütztes System erkennt Hassrede, Bedrohungen und Beleidigungen in Kommentaren und Nachrichten. Das Team identifiziert Täter:innen hinter anonymen Profilen und leitet, wenn notwendig, die rechtliche Verfolgung ein.
  • NetzBeweis: Ein Beweissicherungstool für die Sicherung von Webseiten. Mit dem Web Formular können Betroffene kostenlos öffentliche Seiten sichern. Die kostenpflichtige Browser Extension ermöglicht Rechtsanwält:innen, Unternehmen, Behörden und auch Privatpersonen, automatisiert auch umfangreiche private Webseiten wie verschiedenste Social-Media-Plattformen oder private Chat-Nachrichten zu sichern und in einem elektronisch signierten PDF mit Zeitstempel zusammenführen.

Beratungsstellen

  • Gewaltschutzzentren Österreich: Spezialisierte und gesetzlich anerkannte Einrichtungen für Betroffene von Gewalt in allen Bundesländern, dazu zählt auch Cyber-Gewalt im sozialen Nahraum.
  • Internet-Ombudsstelle: Ein Teil des breiten Beratungsangebots der Stelle umfasst auch die Frage, was man tun kann, wenn man im Internet beleidigt wird oder sonstwie von Hass im Netz betroffen ist, und in welchen Fällen die Polizei helfen kann.
  • at: Eine Plattform, die Unternehmen, Konsument:innen, NGOs und die öffentliche Hand beim sicheren und effizienten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützt. Bei saferinternet.at können kostenlose Webinare besucht werden, es gibt auch die Möglichkeit, Workshops für sein Unternehmen zu buchen.
  • ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit: ZARA bietet allen Betroffenen von Rassismus sowie Betroffenen und Zeug:innen von Hass im Netz juristische und psychosoziale Beratung an.

Trusted Flagger

Dies sind zertifizierte Organisationen mit besonderer Expertise beim Erkennen und Melden rechtswidriger Inhalte. Meldungen durch Privatpersonen werden derzeit von den Online-Plattformen leider meist ignoriert, jene durch Trusted Flagger müssen jedoch bevorzugt behandelt und genau geprüft werden. Sich im Fall eines Verstoßes an eine dieser Stellen zu wenden, erhöht die Chance, sein Recht zu bekommen.

  • Arbeiterkammer Wien in den Bereichen Konsumentenschutz, Datenschutz und Privatsphäre sowie Persönlichkeitsrechte
  • Internet-Ombudsstelle des ÖIAT im Bereich Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht und Internetbetrug
  • Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich im Bereich Cybermobbying und -gewalt, rechtswidrige Äußerungen, Beeinträchtigung des Jugendschutzes, Pornografie und Gefahr für die öffentliche Sicherheit
  • Rat auf Drahtim Bereich u.a. des Schutzes der mentalen und physischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, des Schutzes vor der Darstellung sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie vor sonstigen rechtswidrigen Handlungen, die online gegen Minderjährige begangen werden
  • ZARA – Zivilcourage und Antirassismusarbeit im Bereich der Cybergewalt, Cybergewalt gegen Frauen, Hassrede

Digitale Zivilcourage

Rassismus, Beschimpfungen, Morddrohungen, Mobbing, Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass stellen eine große Bedrohung für jede demokratische Gesellschaft dar, deshalb ist Zivilcourage, um dieser Entwicklung entgegenzutreten, extrem wichtig. Sie braucht aber viel Mut und Wissen, wie man am besten vorgeht. Folgende Organisationen bieten hierzu Schulungen an:

  • füruns – Zentrum für Zivilgesellschaft: Plattform zur Koordination von Freiwilligenarbeit, bietet am 11.2026 ein kostenloses Webinar zu digitaler Zivilcourage an.
  • Zivilcourage.at: Portal des Mauthausen Komitees Österreich mit Angeboten wie dem Workshop „Zivilcourage im Internet – Trainings für Zivilcourage im digitalen Raum“ oder auch der kostenlosen App „Zivil.Courage.Online“, die interaktives Lernen für alle bietet.

Wenn Sie weitere Organisationen kennen, die gegen digitale Gewalt auftreten, oder informative Links teilen möchten, die hier noch nicht angeführt sind, schicken Sie uns doch ein Mail mit den Informationen an office@adv.at, wir aktualisieren den Beitrag gerne.

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