Veränderung braucht verantwortungsvolle Innovation

28. September 2026 / Rebeka Lacarak

Künstliche Intelligenz verändert, wie wir arbeiten, entscheiden und Verantwortung verteilen. Damit rücken Fragen in den Mittelpunkt, die weit über Algorithmen hinausgehen: Wem vertrauen wir und weshalb? Welche Regeln braucht Innovation? Und wer prüft die Systeme, die unsere Zukunft prägen?

Am 1. Oktober macht der internationale „Women in AI Day“ Frauen sichtbar, die diese Entwicklung mitgestalten. Wir richten den Blick bereits im September auf eine von ihnen: Dr.in Cathrin von Hesler. Als ehemalige europäische Rechtsanwältin bewegt sie sich heute an der Schnittstelle von Recht, Künstlicher Intelligenz und Data Science. Ihr Weg zeigt, dass die Zukunft der KI dort entsteht, wo unterschiedliche Disziplinen, Erfahrungen und Perspektiven zusammenkommen.

Im Spannungsfeld von Recht und Technologie

Bevor Künstliche Intelligenz zu einem zentralen Bestandteil ihres beruflichen Wirkens wurde, befasste sich Cathrin von Hesler aus einer anderen Perspektive mit den Regeln unserer zunehmend digitalen Welt. Als europäische Rechtsanwältin war sie im Vergabe- und IT-Recht tätig. Eine Expertise, die sie in ein technologisches Umfeld übersetzt, in dem rechtliche Fragen untrennbar mit Innovation verbunden sind.

Heute leitet von Hesler den Wiener Standort des Know Centers. Das österreichische Kompetenzzentrum ist auf Künstliche Intelligenz und Data spezialisiert. Im Mittelpunkt ihres Wirkens steht dabei eine Frage, die mit den Möglichkeiten von KI immer relevanter wird: Wie können wir diese Technologie so gestalten und einsetzen, dass sie dem Menschen dient? Für von Hesler bedeutet Fortschritt deshalb mehr als technologische Leistungsfähigkeit: Transparenz, Sicherheit, Fairness, menschliche Kontrolle und Verantwortung müssen integrale Bestandteile der Entwicklung sein. Genau an diesen Punkten setzt das Gütesiegel „Trustworthy AI – by Know Center“ an, das von Hesler maßgeblich verantwortet.

Vertrauen braucht Maßstäbe

Mit „Trustworthy AI – by Know Center“ wurde ein Rahmenwerk entwickelt, das konkrete KI-Anwendungen anhand definierter Kriterien qualifiziert. Bewertet werden sieben Bereiche: Datenschutz und Sicherheit, Transparenz, Erklärbarkeit und Fairness, menschliche Aufsicht und Entscheidung, digitale Souveränität, Ökonomie, Nachhaltigkeit sowie digitaler Humanismus.

Für von Hesler geht es in diesem Kontext vor allem darum, wissenschaftliche und rechtliche Anforderungen in die Praxis zu übersetzen. Als Hauptverantwortliche für das Gütesiegel hat sie dessen Entwicklung und Qualifizierungsprozess entscheidend mitgestaltet. Der Anspruch war von Beginn an, einen Prozess zu schaffen, der sich an realen KI-Anwendungen bewähren kann.

Menschliche Werte für eine technologische Zukunft

Hinter diesem Anspruch steht eine Überzeugung, für die Cathrin von Hesler mit großer Leidenschaft eintritt: Technologischer Fortschritt gewinnt für sie dort an Wert, wo er sich am Menschen orientiert und Verantwortung zum festen Bestandteil von Innovation wird. Ihr Blick auf Künstliche Intelligenz verbindet deshalb Begeisterung für die enormen Möglichkeiten mit einem ausgeprägten Bewusstsein für Fairness, Transparenz und menschliche Werte. Gerade der Umgang mit Bias zeigt, welche gesellschaftliche Verantwortung in der Gestaltung von KI liegt. Daten und Systeme können historisch gewachsene Verzerrungen weitertragen und Ergebnisse etwa entlang von Geschlecht oder Hautfarbe beeinflussen.

Umso entscheidender ist es, solche Mechanismen frühzeitig zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Denn je stärker KI darüber mitentscheidet, welche Informationen wir sehen, welche Chancen Menschen erhalten oder wie Entscheidungen getroffen werden, desto wichtiger wird die Frage, welche Perspektiven in ihre Entwicklung einfließen. Verantwortungsvolle KI bedeutet deshalb auch, technologische Systeme so zu gestalten, dass bestehende Ungleichheiten nicht durch neue Technologien verfestigt werden.

Gerade darin zeigt sich für von Hesler, warum Frauen in der Gestaltung von KI unverzichtbar sind, wobei Sichtbarkeit allein zu kurz greift. Entscheidend ist vielmehr die Mitwirkung von Frauen an maßgeblichen Entscheidungen, wie KI den Menschen unterstützen kann. Mut, neue Technologien verantwortungsvoll einzusetzen und eingefahrene Methoden neu zu denken, trägt zu einem gesellschaftlichen Mehrwert bei.

Die stärkere Beteiligung von Frauen ist deshalb auch eine Frage der Qualität und Verantwortung: Sie erweitert den Kreis jener, die problematische Muster erkennen, Annahmen hinterfragen und mitbestimmen, welche Maßstäbe künftig in KI-Systemen verankert werden.

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