Von e-Health zu p-Health – Plattformökonomie im Gesundheitswesen

14. September 2022 / Michael Hackl

 

„e-Health“ – also der Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen – war wohl eines der am meisten verwendeten Buzzwords der letzten Jahre. Konferenzen oder Fachartikel im Gesundheitswesen ohne e-Health-Bezug? Fast undenkbar. Und wer sich näher damit beschäftigt, welche e-Health-Anwendungen den BürgerInnen schon heute zur Verfügung stehen, sieht sich mit einer bunten Vielzahl an Anwendungen konfrontiert. Wir sind definitiv gut unterwegs. Aber sind wir schon am Ziel? Ich denke nicht.

Viele e-Health-Anwendungen sind nur regional verfügbar, sind nur regional bekannt, werden nur regional genutzt. Die meisten Anwendungen sind „Monolithen“: mit eigenem Login, eigenen Daten und – wenn überhaupt – Kommunikation nur mit wenigen ausgewählten anderen Anwendungen. Welche der vielen Anwendungen am Markt ist für mich die richtige? Und ist die Anwendung vertrauenswürdig und sicher? Das herauszufinden, ist für die einzelne Bürgerin, den einzelnen Bürger oftmals schwer. Wollen wir den Nutzen, den e-Health-Anwendungen bieten könnten, auch tatsächlich realisieren, müssen wir den nächsten Schritt gehen. Wir müssen die e-Health-Anwendungen auf vertrauenswürdigen und sicheren Plattformen zur Verfügung stellen und einen sicheren Datenaustausch ermöglichen. Das ist der Schritt von e-Health zu p-Health. Nach den separierten e-Health-Anwendungen kommen die Plattformen mit e-Health-Anwendungen, also „p-Health“.

Vorteile von p-Health

Plattformen verbinden Anwendungen und Akteure – sowohl öffentliche, als auch private. Plattformen verfügen über Daten, die unter bestimmten Voraussetzungen (das heißt idealerweise nach aktiver Zustimmung der BürgerInnen, deren Daten es sind) geteilt werden können. Und sie bestimmen Regeln: Wer sich an der Plattform beteiligt, muss sich an diese Regeln halten. So wird insbesondere sichergestellt, dass die Anwendungen, die die BürgerInnen auf der Plattform finden, vertrauenswürdig und sicher sind. Die Vorteile der Plattformökonomie sind vielfältig:

  • Als zentraler Einstiegspunkt in das Gesundheitssystem schafft die Plattform überregionale Verbreitung und ihre Anwendungen stehen allen BürgerInnen zur Verfügung.
  • Mit jeder weiteren Teilnehmerin und jedem weiteren Teilnehmer wird der Wert für alle TeilnehmerInnen gesteigert.
  • Der standardisierte und rechtssichere Zugang zur Plattform schafft mehr Chancen für regionale Anbieter von Gesundheitsanwendungen und regionale e-Health-Start-ups als Antwort auf den Druck der großen Plattform-Monopolisten.
  • Die Vielzahl der e-Health-Anwendungen auf der Plattform erhöht die Effizienz und die Qualität bei der Suche, damit jede Bürgerin und jeder Bürger die für sie/ihn passende, individuelle Lösung findet.
  • Eine Plattform in öffentlicher Hand und Gütesiegel der e-Health-Anwendungen garantieren Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit.

Ein weiteres Merkmal von Plattformen ist der Vorteil, den der Erste hat: Eine neue Plattform – mit noch wenigen Anbietern und nur wenigen Nutzern – ist weder für Anbieter interessant noch für Nutzer. Es ist daher wichtig, Erster zu sein. Österreich wäre also gut beraten, den Schritt von e-Health zu p-Health rasch zu gehen. Ein wichtiger Schritt dabei könnte die Zurverfügungstellung von DiGAs (Digitale Gesundheitsanwendungen) und DiPAs (Digitale Pflegeanwendungen) auf einer solchen österreichischen Plattform sein. Auf dieser Plattform sollen die BürgerInnen sowohl erstattungsfähige als auch nicht erstattungsfähige Anwendungen finden. Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass die Anzahl der erstattungsfähigen Anwendungen voraussichtlich gering sein wird. Dies liegt vor allem daran, dass für eine Erstattung durch die öffentliche Hand aller Voraussicht nach der Nutzen der Anwendung nachgewiesen werden muss; dies kann sehr aufwändig sein. Umso wichtiger ist es daher, auf der Plattform auch Anwendungen ohne nachgewiesenen Nutzen für die BürgerInnen zur Verfügung zu stellen: Nicht erstattungsfähig, aber vertrauenswürdig und sicher.

Will Österreich wieder eine Führungsrolle einnehmen? Wollen wir allen BürgerInnen den Zugang zu vertrauenswürdigen und sicheren e-Health-Anwendungen ermöglichen? Dann lasst uns über p-Health diskutieren – Plattformen im Gesundheitswesen.

Über den Autor: Michael Hackl, Senior Projektleiter, Programmmanager und Digitalisierungskoordinator bei der ITSV GmbH

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