Green Deal und Kreislaufwirtschaft in aller Munde – ist das gleichzusetzen mit Digitalisierung?

Gastbeitrag von DI Eugen Sehorz, Projektleiter bei GS1 Austria

Wikipedia sagt: „Unter Digitalisierung (von lat. digitus, Finger und engl. digit, Ziffer) versteht man die Umwandlung von analogen, d.h. stufenlos darstellbaren Werten bzw. das Erfassen von Informationen über physische Objekte in Formate, welche sich zu einer Verarbeitung oder Speicherung in digitaltechnischen Systemen eignen. Die Information wird hierbei in ein digitales Signal umgewandelt.“

Die Standardisierungsorganisation GS1 war ein Vorreiter der Digitalisierung. GS1 bietet globale Identifikationen für viele verschiedene Möglichkeiten, sei es für Produkte, juristische Entitäten, Standorte, Transporteinheiten, Arzneimittel, Schienen und Weichen, Medizinprodukte und vieles mehr. Diese Identifikationen, in Strichcodes oder Radiofrequenztags verschlüsselt, können mit entsprechenden Lesegeräten automatisiert ausgelesen werden und somit auf Informationen zugreifen, die neben der „analogen“ Wertschöpfungskette im digitalen Raum mitlaufen.

In der Lebensmittelwirtschaft ist das bereits umgesetzt. Hier kann man sich kein Produkt ohne diese schwarzen Striche mit den hellen Lücken vorstellen. Die gesamte Lieferkette funktioniert so, von elektronischen Bestellungen über die Anlieferungen und den Verkauf und teilweise sogar bis zum Verzehr, denn auch die Kunden wollen immer mehr in diesen Kreislauf eingebunden werden, Informationen zu den Produkten erhalten, wissen wo es herkommt, wie es verarbeitet wurde, welche Inhaltsstoffe oder Allergene es enthält oder auch wie man es weiterverarbeiten kann.

Circular Economy

In Zukunft sollen auch Verpackungen und Verpackungsmaterialien in die Stammdaten aufgenommen werden. Die Grundlage dafür bilden eine Standardisierung des Verpackungsmanagements und die Nachhaltigkeitsbewertung von Verpackungen. Damit sollen nationale und europäische Vorgaben zur Steigerung der Recyclingfähigkeit erreicht werden.

Die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftspakets der EU treiben das Thema Circular Economy von Gesetzgebern intensiv voran. Viele Initiativen zielen darauf ab, Stoff- und Produktkreisläufe zu schließen. Zum einem, um Ressourcenabhängigkeit zu reduzieren, und zum anderen, um die ökologische Nachhaltigkeit von Produkten zu verbessern.

Damit kommen auf viele Unternehmen große Aufgaben zu. Überall werden Daten benötigt, um sie mit physischen Objekten zu verknüpfen („digital twin“).

Gemeinsame Sprache als Basis

Green Deal, Kreislaufwirtschaft, Lieferkettengesetz, Batterieverordnung sind nur ein paar Schlagworte. Die Batterieverordnung beispielsweise bezieht sich auf die Verbesserung der Umweltverträglichkeit von Fahrzeug-, Industrie- und Gerätebatterien während ihres gesamten Lebenszyklusses, die Vermeidung von Abfällen von Batterien und, falls nicht vermeidbar, die stoffliche Verwertung und andere Formen der Verwertung solcher Abfälle, um die zu beseitigende Abfallmenge im Sinne einer nachhaltigen Stoffstrombewirtschaftung und einer Verbesserung der Umweltsituation zu verringern. Dies soll durch Einbeziehung aller in den Lebenskreislauf von Batterien Beteiligten erfolgen, z.B. der Hersteller, der Vertreiber, der Verbraucher und der Abfallbehandler, und die Identifikation und den Produktdatenpass für die verwendeten Stoffe umfassen. Unternehmen und Abfallbehandler sind in Österreich über das EDM (Elektronisches Datenmanagement) bereits in das System integriert und auch im Unternehmensregister mit einer GLN (Global Location Number) identifiziert.

Dennoch braucht es für die Bewältigung dieser Aufgabe „nicht nur die richtigen Werkzeuge, sondern auch eine gemeinsame Sprache zur Kooperation und Kommunikation innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette“, so GS1 Austria Geschäftsführer Gregor Herzog, der auch davon überzeugt ist, dass GS1-Standards hier „die ideale Basis bieten. Vor allem da, wo es um die Verknüpfung eines physischen Produkts mit der entsprechenden Information dazu geht.“

www.gs1.at

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