Neurodiversität als Potenzial

Gastbeitrag von Johannes Klietmann, Specialisterne

„Ich sehe was, was Du auch siehst, aber ich sehe es anders.“

Data Governance ist wie ein Teamsport. Im Fußball beispielsweise sind 11 Spielerinnen und Spieler auf dem Feld, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Jedes Individuum übernimmt dabei eine ganz spezielle Rolle. Für den Umgang mit Daten benötigt ein Unternehmen Expertinnen und Experten für die Prozesse, die Auswertung und die darauf basierenden Entscheidungen. Wegen der diversen Aufgabenfelder ist es wichtig, die Positionen mit Menschen mit passendem Talent und entsprechender Expertise zu besetzen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

In Zeiten der Digitalisierung haben Daten einen hohen Stellenwert. Um in der Dynamik des technologischen Fortschritts erfolgreich zu sein, sind Kreativität und Innovation wichtige Faktoren. Neurodiversität kann dabei als Katalysator wirken.

Neuro bedeutet Aufbau und Funktionsweise von Nervensystemen oder einfach ausgedrückt: Unser Gehirn. Diversität bezieht sich auf Unterschiede und ist ein wichtiger Motor für Veränderungen in biologischen, technischen oder sozialen Systemen. Sie ist damit auch der Grund, warum Daten ständig gesammelt und ausgewertet werden. Neurodiversität bezeichnet also die Tatsache, dass sich menschliche Gehirne ebenso voneinander unterscheiden wie Gesichter. Vor allem in der Art, wie die Gehirnzellen interagieren und Reize verarbeiten. Das führt zu anderem Verhalten und Denken, damit auch zu anderen Blickwinkeln und Fragen. Diese erzeugen andere Antworten und neue, kreative Lösungen.

Ein Beispiel für Neurodiversität ist die Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Keine Angst vor dem Wort »Störung«; es wird in der Psychologie recht rasch verwendet. Viele Menschen im Autismus-Spektrum sind vollkommen arbeitsfähig, tun sich aber schwer in der Jobsuche. Zumeist sind diese Personen nämlich erheblich besser in dem, was sie tun, als darin, gewinnend über sich selbst zu sprechen.

Dabei haben sie häufig besondere Stärken in Bereichen wie logisch-analytisches Denken, Präzision oder Interesse an Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Was Daten, Fakten, Routinen, Korrektheit und Muster angeht, kann Autismus ein großer Vorteil sein. Nicht von ungefähr sind Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten, tendenziell näher am autistischen Spektrum als der Bevölkerungsdurchschnitt.

In dem Teil der Mannschaft, der die Erfassung, Bearbeitung, Überwachung, Überprüfung und Auswertung der Daten übernimmt, können daher Teammitglieder mit Autismus eine große Bereicherung sein. Das Unternehmen kann an diesen Beispielen lernen, flexibel die Möglichkeiten des technologischen Fortschritts und der Digitalisierung im Arbeitsmarkt zu nutzen, um auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt einzugehen und versteckte Potenziale zu fördern. Dies kommt in weiterer Folge allen im Team zu Gute, ermöglicht damit bessere Leistungen und nützt dadurch dem Unternehmen selbst.

»Für gewisse Höchstleistungen scheint ein „Schuss“ Autismus geradezu notwendig zu sein.« – Hans Asperger

Auf der Data Governance 2021 werden wir das Thema Neurodiversität als Potenzial vertiefen. Dr. Klietmann lässt seine Erfahrungen als Asperger-Autist in den Vortrag einfließen und erklärt, warum Autistinnen und Autisten wesentliche Erfolgsfaktoren für Data Governance mitbringen.

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